„Ich habe daher das Verfahren eingestellt“ - Wer war für den Tod von Theo Roodvoets verantwortlich? Ein Kapitel Bremer Nachkriegsjustiz

Lesung und Gespräch

Dienstag, 9. Februar 2021, 19.30 Uhr, Hybridveranstaltung per Zoom. Der junge Niederländer Theo Roodvoets wird 1944 in das Arbeits- und Erziehungslager Bremen-Farge gebracht. Wenige Woche später ist er tot. Theos Bruder Adriaan stellt nach dem Krieg sofort Fragen: Wer hat Theo ermordet? 1962 erhält er vom Bremer Staatsanwalt die lapidare Antwort: Die Ermittlungen seien eingestellt. Die Lesung basiert auf Archivfunden, anschließend ist ein Gespräch mit Thea Roodvoets geplant. 

Foto von Theo Roodvoets im Garten

Der junge Niederländer Theo Roodvoets, damals 26 Jahre alt, wird im Januar 1944 in Spjik vom Sicherheitsdienst verhaftet und in das Arbeits- und Erziehungslager Bremen-Farge beim U-Boot-Bunker „Valentin“ gebracht. Wenige Woche später ist Roodvoets tot, er stirbt an Misshandlungen und physischer Erschöpfung.

Theos Bruder Adriaan Roodvoets, durch seine Aktivitäten im Widerstand gegen die deutsche Besatzung körperlich schwer behindert, stellt nach dem Krieg sofort Fragen: Wer hat Theo ermordet? Beim Roten Kreuz erkundigt er sich nach der Möglichkeit, Lagerkommandant Karl Walhorn oder die Lager-Kapos vor Gericht zu bringen – vergeblich. 1948 wird Walhorn von einem britischen Militärgericht zu vier Jahren Haft verurteilt, aber nicht wegen des Mordes an Theo.

1961 wendet sich Adriaan Roodvoets schließlich an den Bundesjustizminister Fritz Schäffer, und bittet ihn um Auskunft, ob Walhorn für die Ermordung seines Bruders bestraft worden sei. Ein Jahr später erhält er das ein Schreiben des Ersten Bremer Staatsanwalts Dr. Siegfried Höffler, 1939/40 am Sondergericht Rzeszów in Polen tätig: Die Ermittlungen gegen Walhorn habe er eingestellt, der Lagerkommandant sei nicht verantwortlich.

Basierend auf in Archiven gefundenen Originaldokumenten und dem Privatarchiv Thea Roodvoets, der Nichte von Theo Roodvoets, wird dieses prototypische Kapitel der Bremer Nachkriegsjustiz mit Schauspieler*innen der bremer shakespeare company zu Gehör gebracht. Nach der Lesung ist ein Gespräch mit Thea Roodvoets geplant. 

Eine Kooperation der Heinrich Böll-Stiftung Bremen mit „Aus den Akten auf die Bühne“ (Universität Bremen / Institut f. Geschichtswissenschaft).


Um die Veranstaltung über Zoom zu verfolgen, können Sie den Zoom-Raum ab 19 Uhr (auch ohne vorinstallierte App) über diesen Link betreten (Meeting-ID: 860 3524 7272, Kenncode: 449645). Eine rein telefonische Teilnahme ist unter diesen Nummern möglich: 069/7104 9922 oder 030/5679 5800. Weitere Information zur Handhabung von Zoom finden Sie hier.
 

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