Schädel X

Performance und Diskussion

19. (19 Uhr) und 21. Januar (18 Uhr) 2018, im Brauhauskeller des Theater am Goetheplatz, Bremen. Ein Schädel bildet das Zentrum der Lecture Performance Schädel X. Zwei biografische Geschichten kreisen um ihn. Sie führen von Tansania und Deutschland über Archive, Konsulate, Schlachtfelder und Labore durch die deutsche Kolonialgeschichte ins Innerste des eigenen Schädels.

In den Kellern deutscher Universitäten und Museen lagern tausende Schädel aus den ehemaligen Kolonien. Sie entstammen überwiegend einem Unrechtskontext - sie wurden ausgegraben oder von den Leichen hingerichteter „Aufständischer“ abgetrennt und als Trophäe nach Deutschland verschickt. In anthropologischen Instituten betrieben Wissenschaftler Rassenforschung an diesen Schädeln, Berlin wurde mit Rudolf Virchow und Felix von Luschan zum Zentrum der Schädelsammler, aber auch Bremen hatte als sog. „Stadt der Kolonien“ und hat noch immer erheblichen Anteil an diesem Erbe.

100 Jahre später mehren sich Forderungen nach einer würdevollen Behandlung und Restitution dieser Schädel an die Nachfahren. Zögerlich beginnen Universitäten und Museen mit der Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels ihrer Geschichte.

Ein Schädel bildet auch das Zentrum der Lecture Performance Schädel X. Zwei biografische Geschichten kreisen um ihn. Sie führen von Tansania und Deutschland über Archive, Konsulate, Schlachtfelder und Labore durch die deutsche Kolonialgeschichte ins Innerste des eigenen Schädels. Mit (medizin-)historischen Dokumenten und O-Tönen verbinden sie sich zu einer skurrilen, (post-)kolonialen Irrfahrt zwischen Wissenschaft, Politik und Theater.

Konzept, Recherche, Performance: Konradin Kunze

Regie: Sophia Stepf

Sound Design: Andi Otto

Video Design: Jürgen Salzmann

Technik: Marcello Lussana

Produktionsleitung: ehrliche arbeit - freies Kulturbüro

Interviews mit: Christina Helbig, Mnyaka Sururu Mboro, Isaria Anael Meli, Upendo Moshi, Gerhard Ziegenfuß u.a.

Im Anschluss an die Vorstellung am 19.1. hat ein Expert*innen-Gespräch zum Umgang mit menschlichen Überresten aus der Kolonialzeit stattgefunden. Mit Ohiniko Mawussé Toffa (Universität Bremen, Forschungsbereich Dynamik der Missionierung und der Kolonialisierung / Kolonial-und Missionswortschatz), Virginie Kamche (Afrika-Netzwerk Bremen e.V.), Prof. Dr. Wiebke Ahrndt (Überseemuseum Bremen) und Konradin Kunze.