Macht und Medien - Berichterstattung im rebellierenden Belarus

Digitale Podiumsdiskussion

Samstag, 14. November 2020, 19 Uhr auf zoom. Mit Belarus-Expert*innen aus dem Bereich Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Journalismus. Belarus ist in Aufruhr, die Nachrichten über die Streiks und Proteste gegen den langjährigen Herrscher Aleksandr Lukashenko gelangen nicht mehr ausschließlich über deutsche Korrespondent*innen zu uns, sondern können von Belarus*innen über die sozialen Medien direkt verbreitet werden. Was für eine Auswirkung hat dies auf die Narration der Proteste und inwiefern unterscheidet dies den aktuellen Aufstand in Belarus von vergangenen Revolutionen in der Region? 

Mit: Daniel Marcus (Medienprojekt "Dekoder"), Yauhen Merkis (Journalist beim unabhängigen belarussischen Fernsehsender "BelSat"), Olga Dryndova (bei der Bremer Forschungsstelle Osteuropa für Belarus-Analysen zuständig), Thielko Grieß (Deutschlandfunk-Korrepondent Moskau). Infos zur Anmeldung ⇩

Demonstrierende in Belarus. Darüber die Aufschrift "Wer weiß was durch wen?"

Mitschnitt der Veranstaltung

Belarus ist in Aufruhr - Woche für Woche gehen Belarus*innen auf die Straße und Arbeiter*innen streiken, um gegen das offensichtlich gefälschte Wahlergebnis der vergangen Präsidentschaftswahl im August, gegen den langjährigen, autoritären Machthaber Aleksander Lukashenko und für ein demokratisches, unabhängiges Belarus zu demonstrieren.

Natürlich spielen bei solchen Ereignissen sowohl nationale, als auch internationale Medien eine große Rolle, wenn es um die Narration, das Framing und die Deutung einer solchen Rebellion geht. Internationale Journalist*innen treffen in Belarus auf eine Medienlandschaft, in der das Staatsfernsehen in den Wochen seit Ausbruch der Proteste sukzessive von russischen Journalist*innen unterwandert wurde und unabhängige Medien mangels Zulassung durch den Staat kaum existieren.

Aber dennoch finden die Bilder ihren Weg: über zahlreiche Telegram Kanäle und andere soziale Medien im Internet werden Streiks, Verhaftungen und Demonstrationen (ungefiltert) dokumentiert und der Weltöffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Diesen scheinbar nie versiegenden Bilderfluss nutzen auch deutsche Auslandskorrespondent*innen, um der deutschen Öffentlichkeit ein möglichst genaues Bild von den Ereignissen in Belarus zu bieten. Doch sind sie mittlerweile auch für die hiesige Öffentlichkeit nur eine  von vielen Möglichkeiten, sich über die Rebellion zu informieren. Zivilgesellschaftliche Projekte wie "Dekoder" übersetzen die Artikel unabhängiger russischer und belarussischer Journalist*innen ins Deutsche, und verschaffen uns somit einen weiteren Zugang zu den Protesten.

In der Podiumsdiskussion werden wir gemeinsam den Weg nachzeichnen, den eine Nachricht über ein Ereignis im rebellierenden Belarus heutzutage gehen kann, bis sie zu uns gelangt, und werden der Frage nachgehen, wie diese Quellenpluralität die Art verändert, wie wir über die Proteste nachdenken, sie verstehen und wie wir auf sie reagieren. Dazu haben wir eine Wissenschaftlerin der Bremer Forschungsstelle Osteuropa, ein Mitarbeiter des Medienprojekts "Dekoder" und einen Journalisten des unabhängigen, belarussischen Fernsehsenders "BelSat" eingeladen. Die Veranstaltung wird von der Bremer Heinrich-Böll-Stiftung getragen und ist organisiert durch die Arbeitsgruppe "Ostwärts" des Stipendiat*innenwerks der Heinrich-Böll-Stiftung. Sie ist der Jahresoutput des diesjährigen AG-Themas "Medienlandschaften in Osteuropa".

Um sich zur Veranstaltung anzumelden, schicken Sie eine Mail mit dem Betreff "Belarus" an kontakt@boell-bremen.de.

Es wird außerdem einen Livestream auf unserer Facebookseite und später einen Mitschnitt auf unserem YouTube Account geben.