Die HEINRICH BÖLL STIFTUNG veranstaltet regelmäßig Vorträge und Seminare zu unserer Meinung nach aktuellen und interessanten politischen und kulturellen Themen. Wenden Sie sich bitte an unserer Büro, um laufende Planungen zu erfragen oder senden Sie uns eine mail. Gerne informieren wir Sie dann über aktuelle Veranstaltungen. Sollten Sie selber Vorschläge, Anregungen oder Veranstaltungswünsche haben, können Sie uns darüber informieren. Auf unserer Was-Sie-wollen - Seite finden Sie weiter Informationen.



Rebekka Habermas: Skandal in Togo. Ein Kapitel deutscher Kolonialherrschaft
15. Juni, 20 Uhr, Togostraße 44, Ortsverband Bremen-Nord des Technischen Hilfswerks (THW)

Togo und Bremen sind in vielfältiger Weise miteinander verbunden. Die Bremer Kaufmannsfamilie Vietor gehörte zu den ersten Deutschen, die im Gebiet des späteren Togo Fuß fassten.

Die „Eingeborenen-Politik“ der Vietors galt seinerzeit als liberal, obgleich aus heutiger Sicht ihre rassistischen Elemente nur schwer zu leugnen sind. Ähnlich ambivalent war zunächst das Wirken der Norddeutschen Mission. Sie hat seit 1851 ihren Sitz in Bremen und ist in Westafrika unter dem Namen „Mission de Brême“ bekannt. Im Rückblick kann konstatiert werden, dass die von afrikanischen sogenannten Missionsgehilfen mitgetragene Petitionsbewegung eine Keimzelle des anti-kolonialen afrikanischen Widerstands war.

Das Buch „Skandal in Togo. Ein Kapitel deutscher Kolonialherrschaft“, das die Göttinger Historikerin Rebekka Habermas auf Einladung der Heinrich Böll Stiftung Bremen in der Togostraße vorstellt, ist eine glänzend erzählte Mikrogeschichte des deutschen Kolonialismus. Im Mittelpunkt steht ein Skandal, der sogar den Reichstag im fernen Berlin auf den Plan rief: 1900 soll der Kolonialbeamte Geo Schmidt eine junge Afrikanerin vergewaltigt haben. Doch solche Übergriffe waren in den Kolonien nahezu alltäglich, warum also die Aufregung?

Der Kolonialbeamte, eigentlich der mächtigste Mann vor Ort, rang nicht nur mit der afrikanischen Bevölkerung. In Togo waren auch christliche Missionare tätig, die vor allem Gottes Wort verbreiten wollten und ihre Bemühungen durch Geo Schmidt gefährdet sahen. Ihre unzähligen Briefe nach Berlin, in denen sie Schmidts Treiben schildern, sind beredte Zeugnisse eines grundlegenden Konflikts im kolonialen Raum.

Lebendig schildert Rebekka Habermas die Beziehungen, Interessen und Motive der Beteiligten, den Rassismus und Alltag vor Ort und die kolonialen Echos, die der Skandal in der Gesellschaft des deutschen Kaiserreichs hervorrief. Damit bietet sie neue, erstaunliche Einblicke – und einen wichtigen Beitrag zur Kolonialgeschichte, mit der aktuell ein neuer Umgang gesucht wird.

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Revolution! Das Bremer Experiment
11. Juni, 11 Uhr, im „Noon“ im Kleinen Haus am Goetheplatz

Vor 100 Jahren übernahm ein Arbeiter- und Soldatenrat die Macht in Bremen. Doch bereits nach drei Monate endete das linksradikale Experiment: Die Banken sperrten der Bremer Räterepublik die Kredite, es gab heftige Auseinandersetzungen innerhalb des linken Lagers, den Rest erledigten die von Teilen der Bremer Wirtschaft angeforderten militärischen Kräfte.

Welches Potential lag im Ansatz der Räterepublik? Warum scheiterte sie und inwiefern kann der Rückblick aktuell aufschlussreich sein? Eine Diskussion mit den Historikern Hans Rudolf Wahl, Heinz-Gerd Hofschen und Peter Kuckuk, dessen Standardwerk „Bremen in der Deutschen Revolution 1918/1919“ nun in einer erweiterten Neuauflage erscheint.

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Black Bremen
9. Juni, 18 Uhr, Stadtbibliothek Bremen, Am Wall 201 (Wall-Saal)
Black Bremen


Szenische Lesung: „Nationalität: Schwarzer Afrikaner“. Leben und Überleben von Johannes Kohl in Bremen (1924-1973)
Am Beispiel von Johannes Kohl (1892-1973) wird der Umgang deutscher Behörden mit Schwarzen Menschen in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus gezeigt. Kohl kam wahrscheinlich 1904 aus Lomé nach Deutschland. Im Mittelpunkt der Lesung stehen sein Versuch, in Bremen eingebürgert zu werden, und sein Kampf um das Sorgerecht für seinen Sohn.

In der anschließenden Podiumsdiskussion werden Brücken in die Gegenwart geschlagen und die heutige Lebenswirklichkeit Schwarzer Menschen in Bremen reflektiert. Mit: Virgine Kamche/Afrika Netzwerk Bremen, Eve Rosenhaft /Universität Liverpool, Ohiniko Mawussé Toffa/Universität Bremen u.a.

In Kooperation mit „Aus den Akten auf die Bühne“/Universität Bremen, der bremer shakespeare company und der Stadtbibliothek Bremen. Eintritt: 5 Euro

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Black Germany
6. Juni, 18 Uhr, Stadtbibliothek Bremen, Am Wall 201 (Krimibibliothek)

Black and White Germany: Frauen in afrodeutschen Lebenswelten 1900-1950

Migranten aus den deutschen Kolonien wurden zu den Gründern der ersten Black Community in Deutschland. Die meisten, deren Namen wir kennen, waren zwar Männer, aber es waren auch Frauen in der ersten Migrantengeneration - und die deutschen Familien, deren Vernetzungen Community überhaupt ausmachten, bestanden aus Menschen beider Geschlechter.

Eve Rosenhaft, Professorin für German Historical Studies an der University of Liverpool und Co-Autorin des Buches „Black Germany“, fokussiert in ihrem Bremer Vortrag die vielfachen Erfahrungen von Frauen in diesem Milieu: von afrikanischen Schülerinnen, die ihre Deutschlanderlebnisse zurück und hinaus in die Welt trugen, von den “weißen” Ehefrauen der Kolonialmigranten sowie von deren Töchtern, die ihren Lebensweg im Nationalsozialismus machen mussten.

In Kooperation mit der Stadtbibliothek Bremen

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„Sie sind nicht so wie wir“

Matěj Spurný vom Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Prager Karlsuniversität gehört zu den jungen tschechischen Historikern, die nicht nur fachlich brillant sind, sondern sich auch engagiert an öffentlichen Debatten beteiligen. Wegen seiner Kritik an der These von der "monokulturellen Gesellschaft", die er in seinem Buch "Nejsou jako my" ("Sie sind nicht wie wir") vorgelegt hat, wird er in Tschechien allerdings zunehmend angefeindet.

Am Samstag (13.05.) um 11 Uhr ist Matěj Spurný zu Gast in der Villa Ichon.

Bereits als Student war Spurný Mitgründer der Organisation Antikomplex, die sich ebenso für eine tabulose Reflexion der Nachkriegs-Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei einsetzt wie für das Zusammenleben mit den Roma.

Spurnýs Buch „Nejsou jako my“ erschien ebenfalls bei Antikomplex und wird derzeit ins Deutsche übersetzt. Die Diskussion mit Spurný spannt den Bogen vom Umgang mit den Minderheiten seit 1945 bis zur aktuellen, politisch sehr aufgeladenen Situation im Land. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die Entwicklung in Tschechien pars pro toto für die europäische Desintegration interpretiert werden muss: Ist der Zuspruch zur Behauptung einer „monokulturellen Gesellschaft“ ein Menetekel für ganz Europa?

„Sie sind nicht so wie wir“ ist eine gemeinsame Veranstaltung der Heinrich Böll-Stiftung Bremen und des Deutsch-tschechischen Kulturfrühlings, moderiert wird sie von Prof. Dr. Martina Winkler, Direktorin des Instituts für Geschichtswissenschaft und zuständig für die Kulturgeschichte Ostmitteleuropas mit Schwerpunkt Geschichte der ČSSR.

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“Buen Vivir” als Staatsziel

„Sumak Kawsay“, auch bekannt als „ Buen Vivir“, ist eine Lebensanschauung der indigenen Andenvölker, die in den letzten Jahren vermehrt internationale Aufmerksamkeit erregte. Der Grund dafür liegt in der Aufforderung lateinamerikanischer Politiker, zentrale Aspekte dieser Lebensweise auch in industrielle Gesellschaften zu integrieren. Mit Unterstützung der Heinrich Böll Stiftung Bremen wird dieses Konzept auch in Bremen präsentiert. Die Veranstaltung mit Alberto Costa und der Grupo Sal findet am

Mittwoch (26. April) um 19:30 Uhr
im Übersee-Museum


statt. Alberto Acosta ist Ökonom und ehemaliger Energieminister Ecuadors. Er hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Konzept publik zu machen und weltweit für eine Veränderung des Lebensstils einzutreten. Als Präsident der verfassungsgebenden Versammlung war er maßgeblich daran beteiligt, dass die Grundsätze des „Buen Vivir“ als Staatsziel in die Verfassung Ecuadors aufgenommen wurden. Kurz danach folgte Bolivien diesem Vorbild. Seine Initiative zum Schutz des Klimas, der Regenwälder und mehrerer indigener Völker wird heute weltweit diskutiert. Das erste Buch von Alberto Acosta in deutscher Sprache wurde im April 2015 vom oekom verlag veröffentlicht: „Buen Vivir, vom Recht auf ein gutes Leben".

Die Grupo Sal begleitet und ergänzt die Ausführungen durch eine Fülle von Beispielen der lateinamerikanischen Musik, um die „neuen Töne aus Lateinamerika“ auch musikalisch erfahrbar zu machen.

Die Veranstaltung soll Denkanstöße bieten und Lust machen, über die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft in einer globalisierten Welt und einer bedrohten Umwelt zu diskutieren. Über eine Gesellschaft, die neue, andere Werten in den Mittelpunkt stellt: Ein gutes gemeinschaftliches Leben, eine solidarische Ökonomie, den Schutz der Natur und den Erhalt der Umwelt.

Eintrittskarten kosten 14,00 Euro, ermäßigt 10,00 Euro.

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Rechtsextremismus in Europa
11. April um 19:00 im Institut français

Prof. Dr. Andreas Zick, Leiter des Graduiertenkollegs Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit der Universität Bielefeld, diskutiert seine Thesen über den Wiederaufstieg des Rechtsextremismus in Europa

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Jörg Wollenberg: „Krieg der Erinnerungen“
Heinrich Böll schrieb 1948: „Wir sind geboren, um uns zu erinnern. Nicht Vergessen, sondern Erinnerung ist unsere Aufgabe.“ 2017 veröffentlicht Jörg Wollenberg sein Opus summum „Krieg der Erinnerungen: Von Ahrensbök über New York nach Auschwitz und zurück“.

Der erst Band wird mit Unterstützung der Heinrich Böll Stiftung Bremen kommenden Montag (27. März, 19 Uhr) im Wall-Saal der Zentralbibliothek vorgestellt.

Prof. Dr. Jörg Wollenberg hat als Historiker und Erwachsenenbildner unter anderem an der Universität Bremen und als Leiter der Volkshochschulen in Bielefeld und Nürnberg gewirkt. Nach wie vor ist er als Publizist und Herausgeber von Zeitschriften und Editionsprojekten hochaktiv. „Krieg der Erinnerungen“, erschienen im Sujet-Verlag, umfasst geschichtspolitische Beiträge Wollenbergs aus den letzten 50 Jahren.

Den Ausgangspunkt von Wollenbergs „Spurensuche“ bildet sein Geburtsort Ahrensbök im Kreis Ostholstein. Dort wurde er 1945 Zeuge des Todesmarsches von Auschwitz und erlebte das Schicksal von Zwangsarbeitern, Flüchtlingen und Displaced Persons vor Ort. Die Gründung der dortigen Gedenkstät ist ein Teil des unermüdlichen Versuchs Wollenbergs, darüber aufzuklären, aus welchen längst vor 1933 wirksamen Ideen und Interessen die Machteroberung der staatsverbrecherischen Politik des „Dritten Reiches” resultierte – und welche nachhaltigen Belastungen sich daraus bis heute ergeben.

Prägend für Wollenbergs Werdegang sind die zahlreichen Kontakte zu Überlebenden des Holocaust, die er in beiden Teilen Deutschlands, aber auch in den USA, England, Frankreich, Spanien, Griechenland, der CSSR oder Polen aufsuchen und befragen konnte. Viele dieser Begegnungen und Erfahrungen sind in „Krieg der Erinnerungen“ eingeflossen.

Der Eintritt zu dieser Bremer Buch-Premiere ist frei. Veranstalterinnen sind die Stadtbibliothek Bremen und das Bremer Literaturkontor in Zusammenarbeit mit dem Sujet-Verlag und der Heinrich-Böll-Stiftung Bremen.

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LEMBERG. DIE VERGESSENE MITTE EUROPAS
Deutschlandpremiere des Buches
LUTZ KLEVEMAN – LEMBERG. DIE VERGESSENE MITTE EUROPAS
Moderation: Lore Kleinert

Am 21. März um 20:00 in der Villa Ichon, Goetheplatz 4, Bremen

Lemberg galt lange als „Jerusalem Europas“, wo Polen, Juden, Ukrainer und Deutsche eng zusammenlebten. Lutz Kleveman erzählt fundiert und anschaulich die Biographie einer Stadt, die exemplarisch ist für die historischen Verwerfungen, die Europa zu dem machten, was es heute ist.
Einst Teil des Habsburger Reichs, prägten brillante Künstler und Wissenschaftler in Lemberg eine Moderne, die der in Berlin und Wien um nichts nachstand. Durch Krieg, Holocaust und Vertreibung verlor Lemberg fast alle Einwohner – und damit sein Gedächtnis. Bei Ausbruch der Ukraine-Krise 2014 reist Lutz Kleveman nach Lemberg, um die verschüttete Vergangenheit der Stadt freizulegen. Wer den aktuellen Konflikt verstehen möchte, muss die wahre Geschichte Lembergs kennen.
Lutz Kleveman, geb. 1974, hat Geschichte an der London School of Economics (LSE) studiert und als Journalist u.a. für die ZEIT, Spiegel Online und den Daily Telegraph geschrieben.

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Weiterbau statt Abriss
Warum Bauen im Bestand sich lohnt

Der Abriss von Bestandsgebäuden erscheint häufig auf den ersten Blick die kostengünstigere Lösung zu sein, um Platz für den Bau moderner und energieeffizienter Wohnungen zu schaffen. Aber ist das tatsächlich so? Die Heinrich Böll Stiftung Bremen unterstützt in Kooperation mit dem Verein „Wohnen und mehr“ eine Veranstaltung der StadtteilGenossenschaft Hulsberg eG, auf der diese weit verbreitete Ansicht auf den Prüfstand gestellt wird.

Der Architekt Hans-Joachim Ewert von der Städtischen Wohnungsgesellschaft Bremerhaven (STÄWOG) berichtet über die dort gemachten Erfahrungen mit dem Erhalt und Umbau von Bestandsgebäuden. Die „Graue Energie“, die in den Gebäuden kumulierte Energie und die dort gebundenen Rohstoffe sollten weitergenutzt werden, da uns nach über 150 Jahren Ausbeutung der natürlichen Ressourcen langsam die Rohstoffe ausgehen - selbst Sand wird knapp, von Flächen ganz zu schweigen.

Vortrag und Diskussion finden am Mittwoch, den 15. März, um 19 Uhr im Wall-Saal der Stadtbibliothek Bremen statt.

Die StadtteilGenossenschaft Hulsberg eG, die im Abriss-bedrohten „Bettenhaus“ auf dem Gelände des Klinikums-Mitte ein genossenschaftliches Wohnprojekt realisieren möchte, setzt sich schon seit längerer Zeit mit dem Thema „Graue Energie“ auseinander.

Hans-Joachim Ewert (*1958) studierte Architektur an der Technischen Hochschule Hannover. Zwischen 1982 und 1987 war Ewert in verschiedenen Architekturbüros in Hannover tätig und nahm Stipendien u. a. der Fritz-Schumacher-Stiftung und der Studienstiftung des Deutschen Volkes wahr. Im Büro von Prof. Wilhelm Kücker war er von 1988-1991 Projektleiter für das Museum für Sepulkralkultur in Kassel. Von 1991-1995 war er als selbstständiger Architekt in München und Salzburg, anschließend in Bremerhaven tätig.
Seit 1999 arbeitet er als Architekt für die Städtische Wohnungsgesellschaft in Bremerhaven. Spezialgebiet: Revitalisierung und Weiterentwicklung von 50er + 60er Jahre Bauten. Dafür verschiedene Auszeichnungen u. a. Bauherrenpreis 2005 und 2008.

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Geraubte Bücher in deutschen Bibliotheken: eine unerledigte Aufgabe?

Diskussions-Mitschnitt:

//vimeo.com/213883711

Donnerstag, 2. März, um 17.30 Uhr in der Villa Ichon am Goetheplatz (Saal oben)

Die bedeutende Büchersammlung des Warenhaus-Besitzers Georg Tietz (HERTIE) galt als verschollen, bis vor Kurzem aus Bautzen eine Aufsehen erregende Meldung kam: der „bedeutendste NS-Raubgutfund an einer Stadtbibliothek“. Der spektakuläre Fund ist jedoch kein Zufall: Bautzen ist nach Nürnberg die einzige kommunale Bibliothek, die in ihren Beständen bereits systematisch nach Raubgut sucht.

In Bremen gibt viel Erfahrung mit der mühsamen Suche nach geraubten Büchern. Die Bremer Staats- und Universitätsbibliothek (SuUB) war diesbezüglich nicht nur Pionierin unter den wissenschaftlichen Bibliotheken Deutschlands, sondern ist auch Erbin der Bestände der historischen Bremer Stadtbibliothek. Was muss geschehen, damit die Suche nach Raubgut in den eigenen Beständen zur Selbstverständlichkeit wird? Und welche Unterstützung brauchen Bibliotheken dafür?

Eine Diskussion mit Barbara Lison (Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes), Volker Cirsovius-Ratzlaff (SuUB) und Robert Langer (Stadtbibliothek Bautzen).

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Befreiung vom Wohlstandsschrott?
27.Februar, 20 Uhr, Theater Bremen

Vortrag und Gespräch mit Niko Paech, Professor für Produktion und Umwelt an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, der dem Wachstum als stabilisierendem Faktor keinerlei Chance mehr gibt.

Welche Wege aus der Krise weist Paechs „Postwachstumsökonomie“?
Da auch „grüne Effizienz“ keinen Ausweg biete, fordert Paech die radikale Minderung unserer Ansprüche: Entrümpelung, Entschleunigung und die Befreiung vom Überfluss

Eine Kooperation mit dem Theater Bremen im Rahmen der gemeinsamen Kapputalismus-Reihe

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Fritz Bauer vor der Kamera
Martin Rooney zeigt und kommentiert historisches Film-Material über den Initiator der Auschwitz-Prozesse. In den weithin unbekannten Archivalien äußert sich Bauer zur politischen Verantwortung der Justiz und zu seiner Situation als jüdischer Remigrant, aber auch zu Fragen des Sexualstrafrechts und der Wirtschaftskriminalität.

Mittwoch, 22. Februar 2017, 19 Uhr, Plantage 13 (Eingang 26)

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Von Luftmenschen, Golems und jüdischer Popkultur

Luftmenschen und Golems, sprechende Tiere und Vampire geistern durch die jüdische Kulturgeschichte auf der Suche nach Auswegen und Fluchtlinien vor den Anfeindungen der Gesellschaft. Spuren finden sich überall: In Hoch- und Popkultur, in Jazz, Antifolk und HipHop, in Odessa, New York, Krakau und Montreal. Der Literaturwissenschaftler Jonas Engelmann lädt ein zu einer Spurensuche durch die jüdische Popkutur: Sie findet statt am

Freitag, 23. 6., um 20.30 Uhr in der Galerie K in der Alexanderstraße 9b

„Wurzellose Kosmopoliten“ hat Stalin einst die sowjetischen Juden verächtlich genannt; „Rootless Cosmopolitans“ betitelte der New Yorker Gitarrist Marc Ribot sein Debüt-Album. Zu beobachten ist also die Aneignung eines ursprünglich abschätzig gemeinten Begriffes, der in seiner positiven Umdeutung auch ein künstlerisches wie politisches Konzept beinhaltet: ein Nicht-Verwurzeltsein als Möglichkeit einer Unabhängigkeit von religiösen wie gesellschaftlichen Zwängen und die Vision einer nicht territorial oder national gebundenen Identität. Eben eine Radical Jewish Culture.

Oder auch: eine radikale jüdische Popkultur. Popkultur als hybride Kunstform, voller Unruhe, ortlos und nicht verwurzelt, angereichert mit Zitaten und Bezügen zur Kulturgeschichte beim gleichzeitigen Bruch mit ihr. In seinem Buch „Wurzellose Kosmopoliten“ zieht Jonas Engelmann Linien von der osteuropäisch-jüdischen Kultur vor der Shoah, von den fliegenden Luftmenschen in der Literatur von Bruno Schulz, Franz Kafka oder Theodor Herzl, den kabbalistischen Golems und den jüdischen Gangstern Isaak Babels bis in die popkulturelle Gegenwart in Musik, Film und Comic. Dabei sollen Strategien gegen Mechanismen der Ausgrenzung und des Antisemitismus aufgezeigt werden, die sich in solchen Motiven spiegeln.

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Frankreich und Deutschland vor den Wahlen
Laizismus in Europa, Prinzip oder Vorwand der Politik? mit Yves Bizeul und Jean-Claude Aparisi

Donnerstag, 16. Februar um 19 Uhr im Institut Français Bremen,
Contrescarpe 19


Debattenreihe vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich und der Bundestagswahl in Deutschland in Kooperation mit dem Institut Francais Bremen

Am 23. April und am 7. Mai stehen die Präsidentschaftswahlen in Frankreich an. Die Bundestagswahl am 24. September in Deutschland. In drei Debatten werden grundlegende parteienübergreifende Probleme der französischen, deutschen und europäischen Politik mit Experten diskutiert.

Für den ersten Termin dieser Reihe laden wir Yves Bizeul und Jean-Claude Aparisi ein, die über das Thema „Laizität“ debattieren werden – ein typisch französisches Gesellschaftskonzept, das zur Zeit immer wieder sowohl von Vertretern der Integrationspolitik als auch von Islamgegnern ins Feld geführt wird (siehe als Beispiel die „Burkini“-Polemik vom letzten Sommer). Die konstitutionelle Verankerung der Laizität macht dieses Konzept zu einem zentralen Punkt der Identitätsdebatte in Frankreich.

Weitere Termine:

- am 23. März um 19:00 wird Prof. Dr. Catherine Colliot-Thélène über die verschiedenen Zukunftsvisionen für Europa referieren

- am 11. April um 19:00 diskutiert Prof. Dr. Andreas Zick mit einem französischen Kollegen (N.N.) über den aufsteigenden Rechtsextremismus in Europa.

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Gesellschafts-Spielchen: Fußball zwischen Hilfsbereitschaft und Heuchelei
9. Februar, 19:00, Ostkurvensaal im Weserstadion

Ronny Blaschke stellt die Thesen seines aktuellen Buches zur Diskussion: Im deutschen Fußball gibt es viele gemeinnützige Projekte und Stiftungen. Es scheint mittlerweile zum guten Ton zu gehören, dass sich Klubs und Spieler sozial engagieren und gegen Diskriminierung stark machen.

Doch wie ernst gemeint und langfristig ist dieses Engagement? Handelt es sich um wirksame Maßnahmen oder scheinheilige Imagepflege?

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Wahrheit und Lüge im deutschen Geschichtsfilm
Hannes Heer, der Leiter der ersten Wehrmachtsausstellung, analysiert auf Einladung der Heinrich Böll Stiftung Bremen deutsche Geschichtsfilme. Insbesondere am Beispiel des populären ZDF-Dreiteilers „Unsere Mütter, unsere Väter“ zeigt er die Konstruktion neuer Entlastungs-Legenden, die die Massenmorde an 30 Millionen Rotarmisten, Kriegsgefangenen, Juden und nichtjüdischen Zivilisten ausblenden.

Die Veranstaltung mit Hannes Heer findet am Mittwoch, 8. Februar 2017, um 19 Uhr in der Plantage 13 statt (Eingang 26). Der Eintritt ist frei.

Zum Hintergrund:

In dem 2014 vom ZDF gesendeten Dreiteiler Unsere Mütter, unsere Väter beschränkt Nico Hofmann, der Großproduzent verfilmter deutscher Zeitgeschichte, das Geschehen auf den Krieg gegen die Sowjetunion von Juni 1941 bis Mai 1945. Als habe es davor die acht Jahre des NS-Regimes nicht gegeben präsentiert Hofmann seine Protagonisten, ohne die ideologischen Prägungen durch HJ, BDM, Reichsarbeitsdienst bei den vier „arischen“ Freunde zu zeigen und ohne ein Wort darüber zu verlieren, wie der jüdische Freund Viktor diese Zeit der Ausgrenzung und Verfolgung überstanden hat.

Derselbe Eindruck einer gewollt-ausschnitthaften, also konstruierten Realität stellt sich ein, als drei der Freunde an die Ostfront kommen: Es gibt Töten und Sterben, Morden auf Befehl und Schuldgefühle danach, aber der von Hitler befohlene, von der Wehrmachtsführung geplante und exekutierte Rassen- und Vernichtungskrieg an 30 Millionen Rotarmisten, Kriegsgefangenen, Juden und nichtjüdischen Zivilisten findet im Film nicht statt. Es gibt nur einzelne völkerrechtswidrige Befehle, von deren Existenz der erfahrene Offizier Winter aber nichts gewusst hat und deren genozidalen Plan der Projektleiter Hofmann verschweigt.

Was Hofmann liefert, ist das Bild eines dreckigen Krieges, in dem eine ganze Generation durch ein schicksalhaft- undurchschauliches Geschehen verheizt wurde und trotzdem „anständig“ und im Besitz eines reinen Gewissens geblieben war. Hannah Arendts Warnung an Politik und Medien, sich über das übliche „Umschreiben der Geschichte“ hinaus nicht auch noch an der „Tatsachenwahrheit“ selbst zu vergreifen und eine „erfundene Realität“, also Lügen zu produzieren, ist im Geschichtsfilm des Nico Hofmann Wirklichkeit geworden. Was damit erreicht werden soll, so scheint es, ist das Auslöschen und Vergessenmachen der deutschen Schuld – die ersehnte „Normalisierung“.

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80 Jahre Spanischer Bürgerkrieg – eine Spurensuche
7. Februar, 19 Uhr, Staats- und Universitätsbibliothek

Ausstellungseröffnung und Beginn der Vortragsreihe (s. PDF); ein Projekt von Prof. Dr. Jörg Wollenberg in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung, der Staats- und Universitätsbibliothek, dem Bremer Presseclub und dem Asta der Uni Bremen

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Comic und Einwanderungsbewegungen: Ein Jahrhundert voller Geschichte(n)
Ausstellungs-Eröffnung: 31. Januar im Institut français

Kunst aus den Banlieues von Paris und Lyon

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„Arisierung“ Über den Umgang mit dem Unrechts-Erbe

Symposium am 3. November 2016 in der Bremischen Bürgerschaft

Die Beraubung der jüdischen Bevölkerung war ein einträgliches Geschäft. Der Staat, viele Unternehmen und Privatleute profitierten von der „Arisierung“ jüdischen Besitzes im Nationalsozialismus – und tun es zum Teil, als Erben, bis heute.

Der Umgang mit dem „Unrechts-Erbe“ ist Thema eines öffentlichen Symposiums, das die Bremer Bürgerschaft und die „tageszeitung“ (taz) zusammen mit dem Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen veranstalten. Kooperationspartner sind die Heinrich-Böll-Stiftung Bremen, die Landeszentrale für politische Bildung Bremen, die Rosa-Luxemburg-Stiftung Bremen und die Friedrich Naumann-Stiftung.

Ab 14 Uhr stellen Historikerinnen und Historiker den jeweiligen Forschungsstand in Bezug auf die „Profit-Trias“ Fiskus, Firmen und Privatleute dar. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Frage, wie sich der heutige Umgang mit den NS-Erbschaften gestaltet. Hilde Schramm, die Tochter Albert Speers, stellt in diesem Kontext die Arbeit der von ihr gegründeten Stiftung „Zurückgeben“ vor. Auch die Bremer Initiative für ein „Arisierungs“-Mahnmal wird zur Diskussion gestellt.

Gesamtprogramm: Siehe PDF

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