Die HEINRICH BÖLL STIFTUNG veranstaltet regelmäßig Vorträge und Seminare zu unserer Meinung nach aktuellen und interessanten politischen und kulturellen Themen. Wenden Sie sich bitte an unserer Büro, um laufende Planungen zu erfragen oder senden Sie uns eine mail. Gerne informieren wir Sie dann über aktuelle Veranstaltungen. Sollten Sie selber Vorschläge, Anregungen oder Veranstaltungswünsche haben, können Sie uns darüber informieren. Auf unserer Was-Sie-wollen - Seite finden Sie weiter Informationen.



Frankreich und Deutschland vor den Wahlen
Laizismus in Europa, Prinzip oder Vorwand der Politik? mit Yves Bizeul und Jean-Claude Aparisi

Donnerstag, 16. Februar um 19 Uhr im Institut Français Bremen,
Contrescarpe 19


Debattenreihe vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich und der Bundestagswahl in Deutschland in Kooperation mit dem Institut Francais Bremen

Am 23. April und am 7. Mai stehen die Präsidentschaftswahlen in Frankreich an. Die Bundestagswahl am 24. September in Deutschland. In drei Debatten werden grundlegende parteienübergreifende Probleme der französischen, deutschen und europäischen Politik mit Experten diskutiert.

Für den ersten Termin dieser Reihe laden wir Yves Bizeul und Jean-Claude Aparisi ein, die über das Thema „Laizität“ debattieren werden – ein typisch französisches Gesellschaftskonzept, das zur Zeit immer wieder sowohl von Vertretern der Integrationspolitik als auch von Islamgegnern ins Feld geführt wird (siehe als Beispiel die „Burkini“-Polemik vom letzten Sommer). Die konstitutionelle Verankerung der Laizität macht dieses Konzept zu einem zentralen Punkt der Identitätsdebatte in Frankreich.

Weitere Termine:

- am 23. März um 19:00 wird Prof. Dr. Catherine Colliot-Thélène über die verschiedenen Zukunftsvisionen für Europa referieren

- am 11. April um 19:00 diskutiert Prof. Dr. Andreas Zick mit einem französischen Kollegen (N.N.) über den aufsteigenden Rechtsextremismus in Europa.



Fritz Bauer vor der Kamera
Martin Rooney zeigt und kommentiert historisches Film-Material über den Initiator der Auschwitz-Prozesse. In den weithin unbekannten Archivalien äußert sich Bauer zur politischen Verantwortung der Justiz und zu seiner Situation als jüdischer Remigrant, aber auch zu Fragen des Sexualstrafrechts und der Wirtschaftskriminalität.

Mittwoch, 22. Februar 2017, 19 Uhr, Plantage 13 (Eingang 26)

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Wahrheit und Lüge im deutschen Geschichtsfilm

Hannes Heer, der Leiter der ersten Wehrmachtsausstellung, analysiert auf Einladung der Heinrich Böll Stiftung Bremen deutsche Geschichtsfilme. Insbesondere am Beispiel des populären ZDF-Dreiteilers „Unsere Mütter, unsere Väter“ zeigt er die Konstruktion neuer Entlastungs-Legenden, die die Massenmorde an 30 Millionen Rotarmisten, Kriegsgefangenen, Juden und nichtjüdischen Zivilisten ausblenden.

Die Veranstaltung mit Hannes Heer findet am Mittwoch, 8. Februar 2017, um 19 Uhr in der Plantage 13 statt (Eingang 26). Der Eintritt ist frei.

Zum Hintergrund:

In dem 2014 vom ZDF gesendeten Dreiteiler Unsere Mütter, unsere Väter beschränkt Nico Hofmann, der Großproduzent verfilmter deutscher Zeitgeschichte, das Geschehen auf den Krieg gegen die Sowjetunion von Juni 1941 bis Mai 1945. Als habe es davor die acht Jahre des NS-Regimes nicht gegeben präsentiert Hofmann seine Protagonisten, ohne die ideologischen Prägungen durch HJ, BDM, Reichsarbeitsdienst bei den vier „arischen“ Freunde zu zeigen und ohne ein Wort darüber zu verlieren, wie der jüdische Freund Viktor diese Zeit der Ausgrenzung und Verfolgung überstanden hat.

Derselbe Eindruck einer gewollt-ausschnitthaften, also konstruierten Realität stellt sich ein, als drei der Freunde an die Ostfront kommen: Es gibt Töten und Sterben, Morden auf Befehl und Schuldgefühle danach, aber der von Hitler befohlene, von der Wehrmachtsführung geplante und exekutierte Rassen- und Vernichtungskrieg an 30 Millionen Rotarmisten, Kriegsgefangenen, Juden und nichtjüdischen Zivilisten findet im Film nicht statt. Es gibt nur einzelne völkerrechtswidrige Befehle, von deren Existenz der erfahrene Offizier Winter aber nichts gewusst hat und deren genozidalen Plan der Projektleiter Hofmann verschweigt.

Was Hofmann liefert, ist das Bild eines dreckigen Krieges, in dem eine ganze Generation durch ein schicksalhaft- undurchschauliches Geschehen verheizt wurde und trotzdem „anständig“ und im Besitz eines reinen Gewissens geblieben war. Hannah Arendts Warnung an Politik und Medien, sich über das übliche „Umschreiben der Geschichte“ hinaus nicht auch noch an der „Tatsachenwahrheit“ selbst zu vergreifen und eine „erfundene Realität“, also Lügen zu produzieren, ist im Geschichtsfilm des Nico Hofmann Wirklichkeit geworden. Was damit erreicht werden soll, so scheint es, ist das Auslöschen und Vergessenmachen der deutschen Schuld – die ersehnte „Normalisierung“.