Der Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken wurde 1994 ins Leben gerufen, um in den kontroversen Diskussionen über politische Gegenwartsfragen an Hannah Arendts Diktum zu erinnern, dass "der Sinn von Politik Freiheit (ist)".

Wie kaum ein anderer hat sich Hannah Arendt den Herausforderungen ihrer Zeit und den Schattenseiten der politischen Moderne gestellt. Ohne ihre Fähigkeit, das Unerhörte und Unheimliche der Schrecken des 20. Jahrhunderts als etwas Neues, bisher nicht Dagewesenes zu durchdenken und nicht einfach in die vorherrschenden wissenschaftlichen Kategorien einzureihen, wäre ihr einzigartiger und radikaler Zugang zum Phänomen des Totalitarismus nicht möglich gewesen. Auch ihre Überlegungen zum Verhältnis von Macht und Gewalt und zur Bedeutung von republikanischer Freiheit haben sich - zuletzt im Kontext der Freiheitsrevolutionen von 1989 - als Schlüsselkategorien eines Denkens erwiesen, das aus den Bahnen des Gewohnten ausbricht und neue Zugänge zu unvorhergesehenen politischen Ereignissen ermöglicht. In Deutschland ist der Beitrag von Hannah Arendt zum Verstehen des Politischen lange Zeit ignoriert worden. Auch aus diesem Grund war es den Preisgründern aus den Bereichen Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit ein Anliegen, mit der Vergabe des Preises Hannah Arendt einen ihr gebührenden Platz in der öffentlichen Wahrnehmung der Bundesrepublik zukommen zu lassen und zugleich die Bedeutung ihres politischen Denkens für die Erneuerung republikanischer Freiheitspotentiale in der westlichen Geschichte hervorzuheben. In diesem Sinne will der Preis ausdrücklich dazu ermutigen, Hannah Arendts handlungsnahes und ereignisoffenes Politikverständnis auch für gegenwärtige Diskurse in Politik und Gesellschaft fruchtbar zu machen.

Der Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken ist kein akademischer, sondern ein öffentlicher Preis. Es werden Personen geehrt, die das "Wagnis Öffentlichkeit" angenommen haben und das Neuartige in einer scheinbar sich linear fortschreibenden Welt denkend und handelnd erkennen und mitteilen. Über die Vergabe des Preises entscheidet eine internationale Jury. Das Preisgeld wird von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Senat der Freien Hansestadt Bremen gestiftet.


Verein Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken

Der rechtliche und politische Träger des Preises ist der Verein Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken mit Sitz in Bremen. Der Verein, der von der Heinrich-Böll-Stiftung (Bremen/Bund) maßgeblich gefördert wird, wird von einem vierköpfigen Vorstand vertreten. Neben der jährlichen Preisvergabe hat der Verein es sich zur Aufgabe gemacht, durch (internationale) Konferenzen, Veranstaltungen und Publikationen an der öffentlichen Meinungsbildung mitzuwirken.


Hannah-Arendt-Forschungszentrum

Am 1. Juli 1999 wurde das Hannah-Arendt-Zentrum an der Carl von Ossietzky-Universität in Oldenburg eröffnet. Ein Schwerpunkt des Zentrums ist das Archiv, das den größten Teil des archivierten Nachlasses von Hannah Arendt enthält.
Seit 2001 hat das Archiv als einziges in Europa Zugang zur digitalisierten Version des Nach-lasses, die in der Library of Congress erstellt wurde.
Das Zentrum gibt außerdem eine Schriftenreihe sowie die Internetzeitschrift Hannah Arendt Newsletter heraus.

Kontakt:
eMail: arendt-zentrum@uni-oldenburg.de
Netz: www.uni-oldenburg.de/arendt-zentrum/

Publikationen

Der Verein hat bisher folgende Publikationen herausgegeben: